Musik und Emotionen

Alles, was zur Wirkung bestimmter Akkorde und Harmonien und zu ausgewählten Musikbeispielen zur Sprache kommt, bezieht sich auf die Publikation „Musik und Emotionen – Studien zur Strebetendenz-Theorie“.Am 12.11.2014 hat der SWR2 aus den Forschungen von Danniela Willimek

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Choreographie der haltenden Umwelt

Überzeitlich gültiger Artikel von 1993, S. 33 – 56, mit freundlicher Genehmigung von Univ.-Prof. Dr. Georg Romer und des Hogrefe-Verlags Göttingen, eingescannt mit der App CamScanner. Siehe auch Romers Anmerkungen in meinem Artikel „Bewegungsbeobachtung und Bedeutungsanalyse als Grundlage eines Musik- und Tanzprofils“ auf S. 123 – 172 desselben Bands mit den von der 1937 aus Wien nach New York emigrierten Psychoanalytikerin Prof. Dr. Judith Kestenberg genehmigten Änderung ihrer psychoanalytischen Terminologie.

Um die damals schon betagte, noch immer fließend deutschsprechende Frau Kestenberg kennenzulernen und auf die Anwendung ihres Bewegungs-Profils für die Musik- und Tanzpsychologie zu befragen, war ich seit 1989 mehrmals nach New York geflogen. Sie hatte mit mir trainiert, mich mit z. T. unveröffentlichten Schriften reich beschenkt und mir Herrn Romer empfohlen, den ich dann alsbald in einem seiner Workshops kennenlernte und dabei manche Gemeinsamkeit aus seiner und meiner sehr viel früheren Studienzeit in Freiburg erfuhr.

Das auf den Vorarbeiten von Rudolf Laban, dessen Eukinetik das erste tanzpsychologische Buch genannt werden kann, beruhende Movement Profile von J. Kestenberg bildet die Grundlage vieler Dissertationen zur Musiktherapie, wie z. B. derjenigen des Absolventen meines Weiterbildungsstudiengangs  Dr. med. Riad. A. Michael (Geyser)  und von Dr. Claudia M. Weber der Fachsprecherin der Studentenschaft bei der Gründung des unter meiner Nachfolgerin 2010 und 2016 jeweils mangels Studierender eingegangenen, von mir 1977 gegründeten und bis 1990 geleiteten Musiktherapiestudiengangs in Münster, auf dessen Homepage eine Liste der Dissertationen und Habilitationen über musiktherapeutische Themen ausgestellt ist, in der die zahlreichen von mir als dem damals bundesweit einzigem Universitätsprofessor für Musik- und Tanzpädagogik und Musik- und Tanztherapie betreuten und bewerteten musiktherapeutischen Dissertationen und Habilitationen nahezu komplett unterschlagen sind, aus der jedoch umso augenfällig hervorgeht, dass der bei weitem größte Umsatz an musiktherapeutischen Dissertationen ganz wenigen Professoren zukommt, die entweder keinerlei berufsqualifizierenden Hochschulabschluss vorweisen können oder keine wissenschaftliche Hochschule oder keine Musikhochschule absolviert und allesamt nie konzertiert haben. Dabei existieren seit langem Studiengänge für Musikpsychologie, die sich allerdings kaum um musiktherapeutische Belange kümmern. Wer selbst weder die eine noch die andere Qualifikation besitzt, dürfte wohl kaum in der Lage sein, Diplom-, Masterarbeiten, Dissertationen und Habilitationsschriften zu beurteilen, noch dazu wenn Promotionsgutachter ein Honorarprofessor ist, der kein Instrument spielt und dessen Habilitationsschrift als unwissenschaftlich abgelehnt worden war, – sollte man meinen. Doch die kraft Amts ausgestellten Titel wie „Dr. sc. mus.“, deren Promotionsgesuche anderswo vergebens waren, sind gültig und öffnen in allen deutschsprachigen Ländern Tür und Tor für Professuren mit der Perpetuierung solcherart „Wissenschaft“, die die musiktherapeutische Landschaft flächendeckend vereinnimmt, so dass es nicht wundert, dass die Anerkennung von Musiktherapie durch Krankenkassen keine Aussicht hat. Wegen dieses Mainstreams hatte ich trotz größter Bedenken auch untragbare musiktherapeutische Habilitationen durchgewunken und zu einflussreichen Professuren verholfen, obgleich die Glücklichen keine Musikhochschule und auch kein Musikwissenschaftsstudium absolviert und teilweise nicht einmal ein klassisches Musikinstrument erlernt haben, geschweige denn den Tonsatz beherrschen. In Österreich müssen Habilitationsschriften nicht veröffentlicht werden. Univ.-Prof. Dr. Romer hat mich auf seinen ehemaligen Oberarzt Univ.-Prof. Dr. med. Dr. sc. mus. Thomas Stegemann hingewiesen. Er setzt das innovative Werk von Prof. Alfred Schmölz fort, mit dem ich bezüglich meiner musiktherapeutischen Tätigkeit in Freiburg bereits vor 1970, als er mir den Vortrag seiner Absolventin Karin Reißensberger  in Trossingen empfohlen hatte, intensiven Kontakt hatte. Bleibt zu wünschen, dass Stegemann Romers Beitrag von 1993 aufgreift.

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Das Symptom als Bild

Karl-Heinz Menzen (2018). Das Symptom als Bild. Neuropathologie der Wahrnehmung von A bis Z. Lengerich: Pabst Science Publishers. 206 Seiten. ISBN 978-3-95853-09585-369-4

Mit dem Symptom als Bild befasst sich dieses überaus kenntnisreiche Werk des singulär umfassend gebildeten Autors. Erstmals zeichnet ein Buch die Entwicklungslinie von der Sprachphilosophie zur Neurologie der Wahrnehmung und ihren pathologischen Formen auf. Dieses sensationelle Buch des habilitierten Philosophen, Diplom-Theologen und Diplom-Psychologen und sichtlich neurobiologisch versierten Karl-Heinz Menzen, Pionier und Verfechter einer wissenschaftlich fundierten Kunsttherapie, betrifft alle künstlerischen Therapien, durchaus auch die Musiktherapie. Musik erzeugt am unmittelbarsten Stimmungen und Gefühle. Ihre Erkenntnis aber ist auf das Auge angewiesen. Wissenschaft wie auch Bewusstsein leiten sich schließlich von ihrem Stammwort videre = sehen ab. Was wir sehen, lässt sich aber keineswegs immer in Worten beschreiben. „Das Wesentliche in der Musik steht nicht in den Noten“, sagte Gustav Mahler. „Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte“, heißt ein Sprichwort. Wie hochkomplex diese vermeintlich lapidare Erkenntnis ist, leitet Menzen anhand von Beispielen aus der Malerei selbst und vor allem aus den sprachphilosophischen Theorien her, wobei er stets vorweg durch Fragen motiviert und es ihm somit gelingt, die Gedankengänge etwa von Wittgenstein, Cassirer, Peirce, Mitchell bis hin zu Lacan und Damasio verständlich darzustellen. Er zitiert Caspar David Friedrich: „Ein Bild muss nicht erfunden sondern empfunden seyn.“ Menzen kommentiert: „Der Maler spricht von Grundtönen, die sich im Gemüt des heranwachsenden Kindes widerspiegeln; die kompositorisch zusammenzusetzen sind, die die Facetten der Gemütsempfindungen in der Folge auf die Vorstellung übertragen. In seinem Mal-Entwurf sind die Raum-, Farb-, Licht, Flächen-, Bewegungs- und Formelemente so zu konstituieren, zu komponieren, dass sie einen empfindungs- und gefühlshaften Wirkungszusammenhang darstellen. Caspar David Friedrich begründet mit  solcher Ansicht die Anfänge eines semiotischen Modells des künstlerischen Schaffens“ (29). Menzen zeigt die von Antonio Damasio erforschte Entwicklung zur neuronalen Vernetzung über das ikonische, indexikalische und symbolische Zeichen bis hin zu ihrem Auftreten im Verbund im Bild, dem hybriden ikonischen Zeichen. Er spürt dem „neuronalen Netzwerk von Schemata nach, das die Eindrücke, die visuellen, akustischen, taktilen und kinästhetischen, d.h. die propriozeptiven und motorischen Wahrnehmungsstimuli miteinander verschaltet“ und „die einlaufenden Eindrücke der Wahrnehmung von den im Hirnstamm angesiedelten Neurotransmitter-Produktionsstätten (Serotonin, Noradrenalin, Dopamin, Histamin u.a.) angesteuert, gefiltert und je nach Erfordernis mit eben den verschieden getönten Neurotransmitter-Molekülen (glücklich, zornig, höchst erregt u.a.) assoziiert und über den Thalamus an die jeweiligen spezifischen Areale zur Weiterverarbeitung geschickt werden. … Was bislang psychoanalytisch als in dem sich offenbar entziehenden Bereich des unbewussten Wahrnehmens und der Erkenntnis nicht zugänglich erschien, war entwicklungsneurologisch geklärt: Die diversen visuellen, lautlichen, berührungs- und körpergefühlshaften, auch die visceralen Eindrücke unserer Wahrnehmung werden neurotransmitterhaft nicht nur weitergeleitet, sondern sozusagen gefühlsmäßig eingefärbt, getönt und mittels des regulatorischen Neurotransmitters und Hormons Histamin, das gleichermaßen im Hirnstamm angesiedelt ist, zum Thalamus und damit zur Weiterbeförderung in die spezifischen Areale weitergeleitet (nach Maßgabe von: Takt, Rhythmus, Intensität, Gerichtetheit, Geschwindigkeit)“ (30). Zu bedenken sei stets, „dass der kulturspezifische Kontext der zeichen- und symbolhaften Ausdrucksformen, hier besonders: die symbolischen Äußerungen, wesentlich in und durch diesen Kontext definiert sind“ (32).

Menzen versteht es meisterhaft, mit symbolträchtigen Geschichten, oftmals auch aus seiner eigenen Kindheit den Leser zu fesseln und die abstrakt anmutenden Berichte zu konkretisieren.

Auch als Saxophonist seit Kindertagen und häufiger Besucher erlesener Konzerte kennt Menzen die Wirkungsmacht von Musik, Wort und Bild. Immer wieder nutzt er die Sprache zur Herausstellung des Verbindenden von Spannungen (tonoi) als physiologische und psychologische  Phänomene und Verhaltensweisen und ihren Korrelaten in Struktur und Wirkung von bildnerischem und musikalischem Material im Sinne einer übergreifenden, ihre Energetik herausstellenden Ton-Psychologie[1], wie sie für eine multimodale Kunsttherapie unverzichtbar ist und ja auch das Anliegen dieser Zeitschrift trifft, die zum Blick über den Zaun des eigenen Fachgebiets anregen will.[2]  In seiner hochdiffizilen hirnphysiologischen Herleitung von emotionaler Bewertung spricht er von „Tönung“ und verwendet diesbezüglich anschauliche Zitate wie jene von der „Bühnenmaschinerie für das ‚Privattheater‘ des Bewusstseins“, der „spielerischen Wort-Bild-Suche“ oder „mentalen Resonanzräume (vertraute, individuell geprägte soziale, politische, religiöse etc. innere Schutzräume)“, wie sie nicht nur für das Vorstellen, Erleben und Erinnern von Bild- und Klangräumen, sondern auch für die auf Fantasiebildung angewiesene Resonanzpädagogik[3] von Bedeutung sind. „Die Erzeugung von Bildern steht mithin in einem größeren Zusammenhang mit dem tiefen menschlichen Bedürfnis nach Ordnung und Sinn“ (S. 76).

„Ca. 80% des Gehirns dienen der Analyse und Verarbeitung visueller Informationen. … Aber wir wissen auch, wie in jedem Augenblick der visuellen Wahrnehmung das gesamte Gehirn und das heißt die Areale des Gehirns in ihrer Vielzahl parallel verschaltet sind und miteinander vernetzt werden“ (S. 58). Anschaulich beschreibt Menzen, wie „vor allem zwei Subsysteme parallel sowohl die visuellen Objekte auf dem sog. unteren ‚ventralen‘ Pfad in Richtung Schläfenlappen identifizieren und deren Verortung, d.h. ihre Bewegung im Raum, ihre Form und Struktur auf dem sog. oberen ‚dorsalen‘ Pfad dekodieren “ (S. 58) und wie schon die frühkindlich vorprogrammierte und funktionell aufeinander abgestimmte Koordination der Reflexe wie in einem Konzert aufeinander abgestimmt werden“ (S. 59).  Das „Konzert der Sinne“ betrifft das vestibuläre Gleichgewichtssystem, dass taktile System, kinästhetische System wie auch die auf die visuelle Wahrnehmung, das Hören, das Riechen und Schmecken bezogenen Sinne (S. 61).

Das Buch beginnt mit einer ausführlichen historischen Rückblende zum Symptom als Bild und ist in sieben Kapitel mit zahlreichen logisch aufeinander aufbauenden gehaltvollen Unterkapiteln gegliedert:

  1. Was Bilder sind und woraus sie gemacht sind – Peirce, Wittgenstein, Cassirer und Mitchell – Sprachspiele und die Bilder des Alltags

1.1.    Ich mache mir ein Bild

1.2.    Von einfachen und komplexen Bildern

1.3.    Am Anfang ist etwas Markantes, eine Markierung, eine Perspektive

1.4.    Von Bildern im Kopf – ein Wahrnehmungs- und Vorstellungsakt

1.5.    Von Zeichen und Symbolen – und was im Gehirn vor sich geht

1.5.1. Eine kleine Zeichen-Lehre: Grundlagen der neuronalen Vernetzung:

1.5.2.  Die semiotische Sicht von Peirce

1.5.3.  Neuere psychologische Aspekte der kindlichen Entwicklung

1.5.4.  Prä- und symbolische Aspekte

1.5.5.  Der symbolischer Akt

  1. Von den Bildern im Kopf – neurogenetische Aspekte

2.1.    Am Anfang ist ein Eindruck – Stationen der Wahrnehmung

2.1.1.  Station 1: Im Auge des Betrachters: Die Netzhaut

2.1.2.  Station 2: Wahrnehmung – ein Produkt der genetischen und epigenetischem Redaktionsbereitschaft

2.1.3.  Station 3: Umschlagplatz der Sinneswahrnehmungsproduktion: das Corpus Geniculatum Laterale als Teil der thalamischen Kerne

2.1.4.  Station 4: Produktverteiler Sehzentrum: Vom Management der Sinne und der Integration der Sinnesmerkmale

2.1.4.1.             Neurologische und neurobiologische Mitspieler der Muster- und Gestaltbildung

2.1.4.2.             Eine Diskussion um die integralen Vorgaben des Gehirns

2.1.4.3.             Zum neurologischen Ablauf von Sinnes Integration und Synchronisation

2.1.5.  Station 5: neuronale Hilfestellungen – Enthorinaler Cortex, Gyrus Angularis und Precuneus

2.1.6.  Konferenz der Sinne 1: Zusammenarbeit des Sehens, Hörens, Riechens, Schmeckens, Sich-Fühlens, sich-Bewegens

2.1.7.  Konferenz der Sinne 2: Sinnliches Wahrnehmen als szenisches Verstehen

  1. Das Bild als Symptom – Störungen des Wahrnehmungseindrucks

3.1.    Sensorische, motorische, kognitive und emotional stimulierende Signalmuster mit Störungswert

3.2.    Erfahrungsunabhängige Mutation oder erfahrungsbedingte und in der Folge erfahrungsverändernde Epigenese – am Beispiel eines Fragilen-X-Syndroms und eines traumatischen Erlebnisses

3.3.    Wie die Epigenese mittels der Methyliehrung das Zustandekommen und den Gebrauch der Bilder beeinflusst

  1. Neuropathologie der Wahrnehmung – Versuch eines Überblicks

4.1.    Inklusionäre Aspekte der Wahrnehmungsstörung

4.2.    Demenzielle Aspekte der Wahrnehmungsstörung

4.3.    Psychosomatische Aspekte der Wahrnehmungsstörung

4.4.    Psychiatrische Aspekte der Wahrnehmungsstörung

4.5.    Persönlichkeitsstörungsaspekte der Wahrnehmungsstörung

  1. Von gelingenden und misslingenden Eindrücken des Lebens

5.1.    und 5.2. Wenn der erste Eindruck des Lebens gelingt – neurogenetische Aspekte 1 und 2: Sensorische, motorische, kognitive und emotive Bildintegration

5.3. Wenn der erste Eindruck des Lebens misslingt – neuropathologische Aspekte 3: Sensorisch, motorisch, kognitiv und emotiv gestörte Bildintegration

5.3.1 Aus der klinischen und pädiatrischen Praxis mit wahrnehmungsgestörten Menschen

5.3.2 Von dem Versuch, das Vor- und Noch-nicht-Bewusste des Patienten zu erreichen

5.3.2.1 Bewusstseinsmodalitäten und das Vorbewusste im Blick der klinischen Praxis

  1. Von den Wahrnehmungsstörungen und einer neu zu definierenden Rolle der Psychopathologie
  2. Eine Zusammenfassung – Das Symptom als Bild

7.1.    Das Symptom in den Bildern sprechen lassen

7.2.    Das Symptom, eine zuweilen nicht wieder zu erkennende Verwendung des Psychischen

7.3.    Symptome im Bild – und ihre Aussagekraft

7.3.1.  Das Symptom – als verkörperter Ausdruck früher neuronaler Prägung

7.3.2.  Das Symptom – als psycho-emotional und neuronal erlebter Ausdruck von Beziehung

7.3.3.  Das Symptom – als sich genetisch-neurobiologischer Ausdruck

7.3.4.  Das Symptom – als fixierender Ausdruck einer ungewöhnlich verlaufenden subjektiven Sozialisation

7.3.5.  Das Symptom – als fiktionales, nicht künstlerisches Bild

7.3.6.  Schlussbemerkung

Es folgen eine umfangreiche Literaturliste und ein ausführliches Glossar und Sachverzeichnis.

Das Kapitel 7 ist mit 19 gut verständlich analysierten Bildern aus Menzens Praxis als Klinischem Psychologen mit Approbation zum Psychologischen Psychotherapeuten (Zulassung in Dtl. und Österr.) und seinen kunsttherapeutischen Projekten ausgestattet.

Wie präzise Menzen vorgeht, zeigen auch seine für die künstlerisch therapeutische Praxis sinnfällig gegliederten tabillarischen dreispaltigen Übersichten zu Diagnose/Phänomene: Behinderungen wie Epilepsie, Down Syndrom, Autismus, ADHS, Angelman-Syndrom, Fragiles-X-Syndrom, Folgen der Meningitis-Hirnhaut-Entzündung, jeweils mit ausführlich dargestellten Beispielen und Bild-therapeutischen Hinweisen. Umfangreich sind die Formen der Demenz wie Ischämische Hypoxie, Schlaganfall, Schädel-Hirn-Trauma und Alzheimer-Krankheit, wiederum mit klaren Bild-therapeutischen Hinweisen, dargestellt. Nicht weniger ausführlich beschreibt er psychosomatische Erkrankungen und nennt Bild-therapeutische Möglichkeiten, wiederum mit berührenden, als Bilder bezeichneten und von ihm analysierten Geschichten aus seiner eigenen Kindheit und Studentenzeit und aus der Kindheit, von der ihm seine Patienten berichtet haben. Spannend auch seine tabellarische umfassende Auseinandersetzung mit den Formen auffälligen Verhaltens und den diversen Persönlichkeitsstörungen. Hier ein Beispiel zur Selbstverletzung: „… andauernde erhöhte Cortisol- und damit verbunden: in Alarmbereitschaft versetzende, Noradrenalin- und erregende Glutamat-Ausschüttungen konstellieren auf Dauer das Gehirn im neuronalen Kontext von handlungsorganisierendem Vorderhirn, von Gefühls vermittelndem singulären Kortex, von für die Abwehr von Bedrohungen zuständigen Amygdala, erinnerndem Hippocampus und erregungsorganisierendem Hypothalamus …“ (133). Mehrere Seiten beansprucht die Tabelle zum Trauma und zur Prosttraumatischen und Belastungsstörung PTBS. Anhand von Berichten zum Aufwachen aus dem Koma deuten die Worte einer Patientin auf multimodale künstlerisch therapeutische Assoziationen hin, wenn sie sagt: „Bilder erschienen und verschwanden wieder, Begriffe, Wörter, Töne kamen und vergingen wieder. … Bald tanzten die Striche vor meinen Augen herum … das Tanzen der Buchstaben und Figuren …“ (157).

Menzens ungemein lehrreiches Kompendium eignet sich für jede Art von künstlerisch therapeutischer Praxis. Trotz seines sehr anschaulich gestalteten Schemas von Wahrnehmungsvorgang, Stationen und Orte der Verschaltung (S. 44) erscheint es wegen der vielen hirnphysiologischen Fachbegriffe empfehlenswert, einen Anatomieatlas bzw. die entsprechenden Bilder aus dem Internet heranzuziehen.[4]

[1] Hörmann, K. (2014). Ton-Psychologie. In MTK 1, S. 81-111.

[2] Der Nutzen von Menzens detaillierter Herleitung des Zeichensystems und seiner neoronalen Wirkungen lässt sich beim Musizieren und Musikhören ständig aufgreifen, insbesondere wenn ein zwischen den Tonfolgen zunächst nur angedeutetes und dann in seiner bekannten Form erscheinendes Zitat den Gehalt einer Komposition evtl. entschlüsselt und ihre Platzierung auf die tieferliegende Gesamtbedeutung hinweisen kann, wie dies in dem z. T. in den beiden regnerischen und kalten Wintermonaten 1838/39 in einem heizungslosen Kloster  der vertriebenen Kartäuser in Valldemossa auf Mallorca komponierten Zyklus der Préludes Op. 28 des an Tuberkulose erkrankten Frédéric Chopin nach einem eröffnenden fulminanten „Agitato“ in C-Dur im 2. Stück die noch immer auf dem dominantischen Quart-Sext-Akkord basierenden Takte 15 – 17 verraten, in denen die ersten zwei wiederholten Worte von „Dies irae dies illa, solvet saeclum in favilla“ erstmals in der gregorianischen Reinform erscheinen (wenngleich transponiert vom gregorianischen Original f e f d) und auf den im Schlusstakt erstmals in seiner Grundform auftauchenden Akkord hinführen, der sowohl optimistisch als auch pessimistisch empfunden werden kann und in seiner Wirkung auf das dementsprechende psychosomatische Befinden auf vielerlei unterschiedlich beeinflussbaren neuronalen Vorgängen beruht. Wie das Bild ist Musik ja geistfähiges Material mit dem Potential zur selbstregulierenden Einstellung, wie sie sich auch in der interpretatorischen Gestaltung und vom sensiblen Hörer nachvollziehbar artikulatorisch verklangsinnbildlichen lassen, woraus sich der methodische Ansatz des diagnostischen, erlebnisvertiefenden und handlungsaktivierenden Singens und Musizierens in der Musiktherapie mit den Stufen Remoralisierung, Remediation und Rehabilitation ergibt und Kriterien zur Auswahl aus der Vielfalt von Musikaufnahmen ermöglicht. – Erwähnt sei auch das in jener unwirtlichen Mönchszelle komponierte sog. Regentropfen-Prélude, wo in den dissonanzreichen Takten 61- 63 die Textzeile „voll Schmerz und voller Hohn“ aus „O Haupt voll Blut und Wunden“ zitiert ist; sie kann als Hinweis auf das Elend des Komponisten in dieser Zeit, aber ebenso gut als Andeutung von Humor aufgefasst werden.

[3] Rosa, H. & Endres, W. (2016, S. 7): „Was ist an dieser Resonanzpädagogik das Besondere, »das Neue«? Führt der Weg von Performanz und Kompetenz zur Resonanz? Dazu ein kurzer Rückblick: Den Begriff Performanz hat John L. Austin in den 1960er-Jahren geprägt und bezeichnete damit ein beobachtbares Verhalten. Schüler sollten nicht nur Können erwerben, sondern das Können auch zeigen. 20 Jahre später rückte Noam Chomsky, der renommierte Sprachwissenschaftler, die Kompetenz als Gegenstück zur Performanz ins Blickfeld. Von da an werden Performanz und Kompetenz als Komplementärbegriffe gesehen. »Kompetenzen werden im Modus der Performanz erlernt und evaluiert […]. Die dem schulischen Fächerkanon zugrundeliegenden Modi der Welterschließung eröffnen dabei unterschiedliche Perspektiven der Weltwahrnehmung […].« Hartmut Rosa geht einen Schritt weiter. Er beschreibt Welterschließung nicht durch Kompetenzerwerb, sondern durch Resonanz: »Kompetenz und Resonanz sind zwei ganz verschiedene Dinge. Kompetenz bedeutet das sichere Beherrschen einer Technik, das jederzeit Verfügen-Können über etwas, das ich mir als Besitz angeeignet habe. Resonanz dagegen meint das prozesshafte In-Beziehung-Treten mit einer Sache. […] Resonanz enthält ein Moment der Offenheit und der Unverfügbarkeit, das sie von Kompetenz unterscheidet. Kompetenz ist Aneignung, Resonanz meint Anverwandlung von Welt: Ich verwandle mich dabei auch selbst.«“

[4] Z. B. das Youtube-Video zu Gerhard Roth „Wie das Gehirn die Seele macht“ und das gleichnamige Video mit Graphiken und Kommentaren zum Gehirn.

Die Rezension ist erschienen in der MTK 2, 2018.

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Welches Buch?

Diese Frage wird oft gestellt. Die Antwort lautet meist: Prinzipiell jedes Buch, wenn beim Lesen Folgendes beachtet wird: In der Musiktherapie gibt es relativ wenige wissenschaftlich zu nennende Publikationen. Schließlich erfüllen nicht einmal alle Professoren und Anbieter von Musiktherapiekursen die Voraussetzungen, die laut Hochschulgesetzen für eine Berufung und somit auch für eine qualifizierte und kompetente Lehrtätigkeit in der Musiktherapie als interdisziplinärem Gebiet gelten müssten.[1] Schriften zur Musiktherapie sind häufig Qualifikationsarbeiten wie Diplom-, Bachelor-, Master-, Examensarbeiten und Dissertationen.[2] Oft handelt es sich bei Publikationen zur Musiktherapie um teilweise interessante euphorische Erfahrungsberichte, deren Erkenntniswert wegen ihrer fehlenden Generalisierbarkeit oftmals eher gering ist.[3]  Aus den bisweilen vorbildhaften Berichten erfahrener Praktiker zu ihren Methoden ist viel zu lernen[4]. Gleichwohl sollte jede nicht als Poesie gemeinte Lektüre den Kriterien unterworfen werden, die für wissenschaftliche Publikationen gelten und auch auf Musiktherapie anwendbar sind. Hierbei ist Musiktherapie als Angewandte Musikpsychologie in der doppelten Bedeutung von MUSIKpsychologie (Analyse der Wirkungssubstanzen und des Gehalts einer Musik) und MusikPSYCHOLOGIE (Lehre von der  Funktionalisierung solcherart analysierter Musik als modifizierfähiges Pharmakon im Sinne der Heilkunde) zu verstehen. Mit den beiden Polen von Musikpsychologie sind also einerseits die Gegebenheiten beim Patienten, dessen Disposition und Erleben als ein metaphorisches System von  wohltuend stimmigem oder aber als krankmachendem chaotisch dissonantem inneren Musizieren zu betrachten[5] und andererseits geeignete Musik und geeignetes Musizieren im Hinblick auf die individuellen Therapieziele des jeweiligen Patienten zu funktionalisieren. Dazu aber sollte die Zusammensetzung der Wirkungssubstanzen und der immanente Gehalt einer Musik unter Anwendung der vier Stufen wissenschaftlicher Musikanalyse erschlossen und die für das Wirkungspotential von Musik maßgebende Hierarchie musikalischer Parameter im individuumsorientierten Musizieren so verwendet und unter Berücksichtigung der vier Modi musikalischer Interpretation gestaltet werden, dass sie je nach Bedarf sowohl eine remoralisierende, remediatisierende oder rehabilitierende bzw. eine diagnostische, erlebnisvertiefende oder handlungsaktivierende Funktion haben kann. Wer unter diesen Aspekten Erfahrungs- und Forschungsberichte zur Musiktherapie liest und zuvor eine konkrete patientenbezogene Musikanalyse im Sinne der Musikpsychologie als wissenschaftlicher Lehre vom Menschen als Repräsentantem innerer Musik und inneren Musizierens betreibt, für den kann jede musiktherapeutische Lektüre bereichernd sein; schließlich lassen sich an ihr die Fertigkeiten in der Anwendung der beiden Seiten Angewandter Musikpsychologie trainieren, die zwar in dem Buch „Musik in der Heilkunde. Wissenschaftliches Lehrbuch Musiktherapie“ beschrieben sind, aber wegen des Abstraktionsniveaus des Buchs nur im dazugehörigen Weiterbildungsstudium systematisch erlernt werden können und im Beruf oder auch im Alltag immer wieder trainiert werden müssen, bis der erstrebte Therapieerfolg mit größter Wahrscheinlichkeit erreicht wird.

[1] Der Leiter dieses Weiterbildungsstudiums dagegen hat habilitiert, zweimal promoviert, noch dazu mit „summa cum laude“, drei Musikhochschulabschlüsse, langjährige Erfahrung als konzertierender Musiker, Musiktherapeut und Supervisor an Kliniken und als Lehrender an Medizinischen Fakultäten. Wenn man logischerweise Therapie als nachträgliche Pädagogik (Ruth Cohn, 1970) versteht, dann kommen ihm auch sein 1. und 2. Staatsexamen und seine hauptamtliche Tätigkeit am Gymnasium wie auch seine nebenberufliche, unentgeltlich erbrachte jahrelange Unterrichtstätigkeit an Grund- und Realschulen, seine Betreuung von Schulpraktika in der Lehrerausbildung und seine Tätigkeit in Kindergärtnerinnenfortbildungen und als Supervisor an einer großen Klinik für Psychiatrie zugute.

[2] Wie die Liste der Dissertationen und Habilitationen über musiktherapeutische Themen zeigt, wird großenteils bei Personen promoviert, die entweder keine Musikhochschule oder keine Universität oder beides nicht absolviert haben. Die vielen von mir begutachteten Dissertationen und Habilitationen sind in der Liste nicht vertreten.
Dort fehlt aber auch die Habilitationsschrift eines einflussreichen österreichischen Musiktherapieprofessors, in der er die Lehre seines Sufimeisters Dr. Rahmi Oruc Güvenc verwirft. Angesichts der Verhältnisse in Deutschland hatte ich sie in meinem im Auftrag der Univ. Wien erstellten 16seitigen Gutachten befürwortet. Seine Dissertation ist mir nicht benannt. In Österreich müssen Dissertationen und Habilitationsschriften nicht veröffentlicht werden. Dissertationen können an den betreffenden Universitätsbibliotheken eingesehen werden.

[3] Ein dagegen in jener Liste aufgeführtes, gleichzeitig an der einen Universität als Magisterarbeit und an einer anderen Universität als Dissertation eingereichtes Buch mit einem jeweils anders lautendem Titel zur Musiktherapie, aber nahezu vollständig mit von mir stammenden, längst veröffentlichten Texten, Vorträgen und Seminarpapieren hatte zum Erreichen einer Universitätsprofessur gedient. Dass die Texte nicht Musiktherapie, sondern Tanznotation und Tanzdidaktik betreffen und die Buchtitel mit dem Inhalt nichts zu tun haben, war und ist bis heute nicht aufgefallen. Wegen eines gegen diesen mit zahlreichen Titeln ausgestatteten Lehrstuhlinhaber eröffneten Disziplinarverfahrens anlässlich einer Mitarbeiterin, die sich seinetwegen nicht scheiden lassen wollte, hatte er gegen seine Universität und ihren Präsidenten jahrelang erfolglos prozessiert. Auch den gegen mich geführten, keineswegs letzten seiner zahlreichen Prozesse hat er am 26.2.2018 vor dem Oberlandesgericht verloren. Am 18.7.2017 hatte er gegen einen Hamburger Musiktherapieprofessor beim dortigen OLG verloren. Obgleich allein schon die Straftat eines mit Betrug erworbenen Doktortitels nicht verjährt, werden ihm die gemäß Gesetz zu entziehenden  Titel und Beamtenrechte belassen. Die von ihm ermöglichten Doktortitel bleiben ohnehin gültig.

[4] Ein eher knapper Bericht in der Südwest Presse vom 24.8.2018 etwa zeigt bereits unschwer, dass die an der Universitätsklinik in Ulm tätige Diplom-Psychologin mit absolviertem Musiktherapiestudium in jeder Hinsicht vorbildlich musiktherapeutisch arbeitet. Auf den Doktortitel, der bei den in der Fußnote 2 erwähnten Liste genannten führenden Titelvergebern leicht zu erhalten ist, ist sie nicht angewiesen. Auch unter meinen Absolventen habe ich manchen in erster Linie um das Wohl der Patienten besorgten Praktiker kennen und schätzen gelernt. Hier mit freundlicher Genehmigung von Nicola Scheytt und der „© Südwest Presse Ulm, Fotograf:..“ die Verlinkung auf den dort erschienenen Bericht.

Eine Meldung vom 5.9.2018 zur Inflation von Dissertationen: „Der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz, Peter-André Alt, hat die hohe Zahl von etwa 30.000 Promotionen pro Jahr in Deutschland kritisiert. „Diese Entwicklung müssen wir kritisch hinterfragen“, sagte Alt dem „Handelsblatt“ aus Düsseldorf vom Mittwoch. Eine Promotion sei in Deutschland attraktiv, weil sie bei der Karriere helfe. Doch die Hochschulen brauchten „diese Masse“ nicht. „Am Ende bleibt nicht einmal jeder fünfte in der Wissenschaft“, sagte Alt.

[5] So vertrat bereits Novalis die Auffassung: „Jede Krankheit ist ein musikalisches Problem, die Heilung eine musikalische Auflösung.“

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Welttanztag am 29.4.2018

Welttanztag-Flyer 2018  Auf dem Welttanztag am Sonntag 29.4.2018, 17:26 auf der Freitreppe am Aasee in Münster zeigen ausschließlich aus Migrantenfamilien stammende Viertklässler der Melanchthonschule ihre mit Prof. (Univ. Tiflis) Dr. Yolanda Bertolaso erarbeiteten Tänze.

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Oper Wunderland – Ich habe meine Musik mitgebracht.

30.06.2019 Sonntag 11:00 Uhr, Kölner Philharmonie

Der Besuch lohnt sich!  An der Oper Dortmund ist gegenwärtig die Oper Wunderland von Alexander Jansen (Musik: Anno Schreier) auf dem Spielplan: https://www.theaterdo.de/detail/event/18329/.

Jansen, A. & Erche, J. (2017). Ich habe meine Musik mitgebracht. Lieder, Spiele und Geschichten von Flüchtlingskindern. Für Kita und Schule. München: Don Bosco Medien GmbH. 136 Seiten, Klebebindung, kartoniertes Buch, farbig illustriert, Notensatz, inkl. Musik-CD mit 61 Minuten Spielzeit. ISBN: 978-3-7698-2279-3, 19,95 €

Dieses sehr berührende, aus 28 Liedern, einem Singspiel, zwei Klanggeschichten und 21 Spielen bestehende Werk lässt sich am besten mit den Worten der beiden Autoren Juliane Erche (Musikerin und Musiktherapeutin) und Alexander Jansen (Heilpädagoge, Musik- und Theatertherapeut und Librettist viel gespielter Opern) vorstellen. Im dem erschütternden Vorwort unter der sinnfälligen Devise „Iftah Ya Simsim!“, „der Zauberformel „Sesam, öffne dich!“ aus „Tausendundeiner Nacht“, die das Felsentor einer Schatzkammer zu öffnen vermag“, berichten sie von Jansens Besuch einer Gemeindeveranstaltung äthiopisch-orthodoxer Christen, in der sechs weiß gewandete Mädchen und ein ebenso hell gekleideter Junge eigene vielstrophige Texte zu einer alten äthiopischen Melodie vortrugen. „Sie sangen von ihrer Flucht, der beschwerlichen und langwierigen Reise, die sie, ohne ihre Eltern, in mehreren Etappen von Äthiopien über den Sudan, durch die Wüste Lybiens an die Mittelmeerküste führte. Dort gelangten sie in viel zu kleinen und überfüllten Booten an Europas Küste, ehe sie auf verschlungenen Routen bei uns ankamen. Alle diese Wege und Stationen waren bedrohlich für Leib und Leben.“ Weitere solche Erlebnisse hatten die Autoren auf einem Flüchtlingscamp und in Heimen. Sie entschlossen sich, „immaterielle kulturelle Zeugnisse von und für Kinder zu sammeln als Zeichen der Identität, der Hoffnung, der Phantasie, der Verbindung von Mensch zu Mensch. So sammelten wir in einem mehrmonatigen Prozess in verschiedenen Einrichtungen der Flüchtlingshilfe – von der Clearingstelle für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, über heilpädagogische Wohngruppen bis zur großen Sammelunterkunft – Kinder wieder, Spiele und Geschichten. Wir arbeiteten dabei mit Kindern, Jugendlichen und Familien aus Afghanistan, Albanien, Aserbaidschan, Äthiopien, der Elfenbeinküste, Eritrea, Gambia, Ghana, dem Iran, dem Irak, dem Kosovo, Libyen, Mali, Pakistan, Russland, Somalia, dem Sudan, dem Südsudan, Syrien, Togo und der Ukraine. Dabei erlebten wir den Zauber der Kindheit gerade besonders dann, wenn beispielsweise pubertierende Jugendliche, die sich anfangs schämten, zu Kindereien befragt zu berichten, ihre kindlichen Anteile aktualisierten, sich ihre Augen mit Leben füllten und dann hüpfend und springend durch ein Zimmer tobten, wie etwa eine Kleingruppe afghanischer Heranwachsender unterschiedlicher Ethnien bei der Demonstration eines turbulenten Fangspiels. Jedoch spürten wir ebenso immer wieder den unheilvollen und weitreichenden Einfluss und Krieg, Gewalt und Unterdrückung. Da gab es junge Menschen aus Kriegs und Krisengebieten, die trotz der Hilfe von Übersetzern nicht genau wussten, was genau wir mit „Spiel“ meinten, der scheinbar sinnlosen Freizeitbeschäftigung, die von selbstvergessener und purer Lebensfreude geprägt ist.“ Noch mehr solcher Berichte enthält das Vorwort. Es ist den Autoren unumwunden zuzustimmen, dass ihre beeindruckende Sammlung „den Geist der Schönheit atmet und von reichen, wenn auch manchmal uns noch fremden Kulturen kündet.“

Sämtliche von Juliane Erche transkribierten Melodien sind mit der Originalsprache in lateinischer Schrift und mit deutscher Textfassung des für seine sprachlichen Nuancen nicht hoch genug zu bewundernden Alexander Jansen unterlegt. „Manche Melodien vereinfachten wir behutsam für den Praxisgebrauch und passten sie sanft den europäischen Hörgewohnheiten an. Auch die Gitarrenbegleitung haben wir umsichtig im Spannungsfeld zwischen dem Original und seiner Machbarkeit hinzugefügt.“

Für jedes Lied und Bewegungsspiel ist unter seinen Namen sein Herkunftsland angegeben und wird am Ende über die Umstände informiert, unter denen es dort verwendet wird und was es bezwecken soll.

In einem farblich abgesetzten Kasten sind die sechs wichtigsten Hinweise angegeben:

·         Kategorie (Mutmachlied, Bewegungsspiel, Klatschlied, Schlaflied, Sprechgesang, freie Luftspiel, Ballspiel, Tanzen, elementares Musikspiel, Liebeslied, Besinnungslied, Trostlied usw.)

·         Thema (Körper, Familie, Gemeinschaft, Begrüßung, Abschied, Zusammensein, verstecken und wiederfinden, Tierstimmen, Puppenspiel, Geschwister, Befindlichkeit, Gesundheit, Ordnung, Religion, Furchtlosigkeit, Achtsamkeit, Spiritualität, Freundschaft, Bildung, Träume, Geborgenheit, schlafen, Ruhe, Heimweh usw.)

·         Intention, Förderziel (Besinnung, Tagesstruktur, austoben, Reaktion, Empathie, Gruppengefühl, Mitgefühl, Freude, Phantasie, Harmonie, Zuneigung, Geborgenheit, Zusammenhalt, Selbstbewusstsein, Sicherheit, Bewegungskoordination, Geschicklichkeit, Grobmotorik, Körpersprache, Fingerspiel)

·         Alter

·         Material (Handtrommel, große Trommel, Gitarre, klatschen, Glockenspiel, Tamburin, Monochord, Klanghölzer, Tiermasken, Metallobjekte mit Schlägel usw.)

·         Schwierigkeitsstufe

Das Buch ist ausgesprochen schön gestaltet. Allein schon das Durchblättern ist ein Genuss. Die farbenreichen, zu den Liedern und Spielen passenden Bilder des aus dem Iran stammenden Illustrators Maneis laden zum Verweilen ein. Gelungen ist auch die unter der Leitung von Daniela Bauer entstandene CD des Jugendchors Audacia der Sing- und Musikschule Würzburg. Und zudem stellt der Verlag kostenloses Zusatzmaterial zum Download bereit.

Diese ungewöhnliche schöne und didaktisch und methodisch sorgfältig durchdachte Sammlung von Liedern und Spielen aus 20 fernen Ländern ragt unter den zahlreichen Publikationen für Kinder in jeder Hinsicht in besonderer Weise hervor. Es eignet sich für die Arbeit in Pädagogik und Therapie insgesamt. „Spielend, singend und bastelnd lernen die Kinder mit den Angeboten dieses Praxisbuchs etwas über die Lebensgewohnheiten, Bräuche und Sprache der Länder kennen, aus denen die sog. Flüchtlingskinder mit ihren Familien geflohen sind.“ In einer globalisierten Welt kann nicht früh genug das Verständnis und Einfühlungsvermögen in Leiden und Freuden anderer Kulturen unter ständiger Not und Lebensgefahr zu uns gekommenen Migranten geweckt werden.

Dieses reichhaltige Buch demonstriert nicht zuletzt das überragende künstlerische Können der beiden Autoren, ihre akribische Sorgfalt in der Dokumentation und pädagogischen Vermittlung der positiven Kraft von Musik, aufbauender Sprache und spielerischer Bewegung und vor allen Dingen ihre ungemein liebenswürdige Art ihres Engagements, schwerst traumatisierten Kindern und Jugendlichen bei der Verarbeitung ihrer bitteren Erlebnisse zu helfen und ihnen Freude und Perspektiven zu geben – gemäß dem Brücken bauenden Projekt „Sonne im Herzen. Kreativität und künstlerische Therapie. Julia Erche/Alexander Jansen. www.sonneimherzen.org“.

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Krankheit. Sphäre des Schaffens. Komponisten im Spiegel medizinischer Forschung

Trappe, H.-J. & Mastnak, W. (2015). Krankheit. Sphäre des Schaffens. Komponisten im Spiegel medizinischer Forschung. Lengerich: Pabst Science Publishers. 196 S., 25 Euro (ISBN 987-3-95853-041-6).

Dieses von bestechend exakter Recherche medizinischer Befunde zu Krankheiten berühmter Musiker, die das Leben Musikinteressierter unvermindert seit langer Zeit und tagtäglich so ungemein bereichern, gekennzeichnete neue Buch mit zahlreichen großenteils farbigen Bildern ist plakativ nicht, wie man erwarten könnte, zunächst nicht mit einem Hinweis auf Komponisten betitelt, sondern dem Anliegen der beiden Verfasser entsprechend mit „Krankheit“ und ihrer Einordnung als „Sphäre des Schaffens“. Erst dann folgt der erläuternde Untertitel, dass dies demonstriert wird an „Komponisten im Spiegel medizinischer Forschung“.

Diese völlig neue Sichtweise bei der Darstellung der erschütternden Biographien legt ihren Akzent auf das Anliegen von Musikhörern aller Zeiten, zu erfahren, wie es jenen bewunderten Heroen der Musikgeschichte in ihrem Leben ergangen ist. Längst geht es auch Musikpädagogen angesichts der in asiatischen Ländern zu Instrumentalmaschinen gedrillten Kinder nicht mehr in erster Linie um technische Perfektion, sondern um Spaß und Freude an jeder Art musikalischer Betätigung, wozu naheliegenderweise auch gehört, dass frühzeitig das Interesse für das hochdifferenzierte unerschöpfliche Wirkungspotential von Musik gehört. Um dieses zu erleben und mehr und mehr zu verstehen, bedarf es eines polaren und sich ergänzenden musikpsychologischen Zugangs zu Musik: MUSIKpsychologie einerseits als Psychologie des musikalischen Gehalts bzw. nicht nur der Musikanalyse von Noten, sondern auch der speziellen wirkungsspezifischen Verwendung musikalischer Substanzen und ihrer Zusammensetzung (Kom-position) analog zur Mischung von Ingredienzien durch Apothekern und aus der Naturmedizin bekannten Heilkundigen (Kräuterhexen, Medizinmännern, Alchemisten), und MusikPSYCHOLOGIE  andererseits als die Lehre von der Psyche und ihrer gezielten Beeinflussbarkeit durch alle Arten musikalischer Pharmazie. Musik galt bekanntlich zu allen Zeiten und überall als immer wieder bestaunte nie versiegende Quelle von Erbauung, Trost, Ermunterung und Antrieb, wozu keineswegs auf Berichte aus früheren Jahrhunderten zurückgegriffen zu werden braucht, sondern wie jeder Musiker egal welcher Richtung und ganz besonders oft Sängerinnen und Interpreten aus der Popmusik bekunden, weshalb ihnen die Massen trotz der damit verbundenen Unannehmlichkeiten zuströmen. Die bis zur Verzückung euphorisierende und Schmerz und Leid vergessen machende Wirkung  von Musik lässt sich auch im stillen Kämmerlein erspüren. Der für das Wirkungspotential von Musik Aufgeschlossene erspürt die zu allen Zeiten gerühmte Macht der Musik intuitiv und will sie nicht missen. Umso mehr muss es Sinn eines Musikunterrichts sein, gemäß Robert Schumanns Verständnis eines Künstlers „Licht senden in die Tiefen des menschlichen Herzens“.

Dieses Buch richtet sich laut Vorwort und Ankündigung des Verlags an „Musikinteressierte – Laien und Fachleute“. Es ist vor allem aber ein Buch für alle im Gesundheitsbereich Tätigen und natürlich ganz besonders für Musiktherapeuten.

Hochkarätiges fachkundliches Wissen im Sinne der erwähnten beiden Seiten von Musikpsychologie als Analyse musikalischen Gehalts und seiner Funktionalisierung im Sinne des individuumspezifischen Therapieziels garantieren die beiden Autoren. Univ.-Prof. Dr. med. habil. Hans-Joachim Trappe, konzertierender Organist mit zahlreichen CDs, wie sie eigentlich Resultat eines ausschließlichen Organistenlebens sein könnten (siehe http://www.hans-joachim-trappe.de/), ist aber hauptberuflich Direktor der Medizinischen Klinik für Kardiologie und Angiologie. Er weiß also am besten, wie es einem ums Herz ist. Er hat sich die Komponisten Bach, Mozart, Beethoven, Bruckner und Reger vorgenommen.

Univ.-Prof. Dr. Dr. Dr. Wolfgang Mastnak, ebenfalls habilitiert, den die Leser dieser Zeitschrift als unschätzbarer Gewinn in der Herausgeberschaft schätzen, ist nicht nur ein exzellenter Pianist. Er, studierter Mathematiker, darf als der wohl bedeutendste und tiefschürfendste Musiktherapeut bezeichnet werden. Er hat als Professor für Musikpädagogik an der Hochschule für Musik und Theater in München nicht nur Promotionsrecht  im Fach Musikpädagogik, sondern auch im Fach Musiktherapie. Dieses lehrt er allerdings hauptsächlich in Frankreich und Tschechien und vor allem in China. Am dortigen Shanghai Conservatory of Music und zudem an der Fudan University Shanghai ist er Professor für Musiktherapie (Hier sind noch weitere Stationen seiner beeindruckenden Tätigkeit genannt: http://www.mozart-science.at/fileadmin/download/CV_Wolfgang_Mastnak.pdf).  Wer ihn mal erlebt hat, weiß wie souverän er die unterschiedlichsten Sprachen beherrscht. Dass auch für ihn Musik im wörtlichen Sinne Herzenssache ist, ist auch aus seiner Funktion als Präsident des Österreichischen Herzverbands zu ersehen (siehe z. B. http://www.herzverband-tirol.at/pages/posts/hirn-an-herz-teil1-32.php).  Mastnak hat sich mit Schubert, Chopin, Schumann, Satie und Ravel befasst.

Wer sich nun dem Inhalt des Buches zuwendet, erlebt eine Überraschung nach der anderen. Mit zahlreichen Irrtümern und um sich jeweiligen Komponisten rankenden Geschichten wird gründlich aufgeräumt.

Sicherlich ist manch einem bekannt, dass Johann Sebastian Bach im Arrest saß, diese Zeit aber für seine Arbeit am „Wohltemperierten Klavier“ und zur Vervollständigung des „Orgelbüchleins“ genutzt hatte. Wie Mozart „hatte Bach vor der Obrigkeit keine Angst“ (S. 11). Wie er mit Schicksalsschlägen, die „sein Werk wesentlich beeinflussten“ (S. 12), umgegangen ist, sei nur angedeutet: Im Alter von 35 Jahren war seine Frau gestorben.  Von 13 Kindern aus der zweiten Ehe waren 7 schon früh verstorben. Sehr interessant und wie in allen seiner medizinischen Expertisen zu den von ihm gewählten Komponisten sind Trappes Erläuterungen etwa zu Bachs Glaukom, metabolischem Syndrom, apoplektischen Insult und zu den als „Organistenkrankheit“ bezeichneten Exostosen als Überbelastung von Gelenken beim Orgelspiel.

Auch bei Wolfgang Amadeus Mozart spielt der Tod eine prägende Rolle. Bei seiner Geburt lebte von sechs vor ihm zur Welt Gekommenen nur noch seine Schwester. Im Alter von 57 Jahren war seine Mutter verstorben. Seine Frau war „immer wieder ans Bett gefesselt“ (S. 26). Er selbst war aufgrund der nahezu unmenschlichen abverlangten Strapazen schon als Kind gesundheitlich überfordert. Trappe zählt zahlreiche Krankheiten auf. Er geht vor allem auf Mozarts Infektionen im Lebensjahr ein, worüber zahlreiche Geschichten ranken. Eigene Kapitel beschäftigen sich mit den Fragen „Wurde Mozart vergiftet?“, „Woran starb Mozart wirklich?“, „Alkohol, Spiel, Syphilis?“, „Tourette-Syndrom?“, „Asperger?“. Im Schlusskapitel „Epikrise“, die alle Biographien abschließt, filtert Trappe die zwei Abschnitte von Mozarts Leben und äußert sich abschließend zum „Geheimnis“ von Mozarts Tod.

Dass Ludwig van Beethoven unter den grausigen Belastungen, die schon früh auftauchten und sich zeitlebens noch verschlimmerten, überhaupt noch komponierte, war schon immer bestaunt worden, ist aber angesichts der detaillierten fachkundigen Diagnosen noch erstaunlicher. Seine Mutter war bereits 40-jährig verstorben. Allein schon die Stichworte in den Kapitelüberschriften lassen solch ein Leben als absolut unerträglich erscheinen: Pockennarben, Brille, Hörstörungen, Durchfälle, Koliken, Fieberschübe, Noncompliance, Hepatits, Lebenzirrhose, Ösophagusvarizen, Alkohol und „Spekulationen um Syphilis und Bleivergiftung“. Seine Depressionen und sein zeitweiliger Suicidgedanke sind so gesehen nur allzu verständlich. Umso mehr bewundern wir seinen unbeugsamen Willen:

„solche Ereignisse brachten mich nahe an Verzweiflung, es fehlte wenig, und ich endigte selbst mein Leben – nur sie die Kunst, sie hielt mich zurück, ach es dünkte mir unmöglich, die Welt eher zu verlassen, bis ich das alles hervorgebracht, wozu ich mich aufgelegt fühlte, und so fristete ich dieses elende Leben – wahrhaft elend, einen so reizbaren Körper,[5] daß eine etwas schnelle Verändrung mich aus dem Besten Zustande in den schlechtesten versezen kann – Geduld – so heist es, Sie muß ich nun zur führerin wählen, ich habe es – daurend hoffe ich, soll mein Entschluß seyn, auszuharren, bis es den unerbittlichen Parzen gefällt, den Faden zu brechen, vieleicht geht’s besser, vieleicht nicht, ich bin gefaßt.“[1]

Trappe beschließt sein Kapitel „Epikrise“ treffend mit Beethovens eigenem Wort: „Der Mensch besitzt nichts Edleres und Kostbareres als die Zeit.“ Trappe fügt hinzu: „Seine Zeit war kurz.“

Bereits in seiner Beschäftigung mit dem Leben von Franz Schubert stellt Mastnak die „medizinethische Frage, inwieweit eine Erforschung seiner Krankheitsgechichte nicht zu sehr in seine Intimsphäre eindringt, und ab wann der hermeneutische Gewinn für die Interpretation seiner Musik nicht mehr die ‚Verletzung‘ eines (wenn auch fiktiven) Post-mortem-Datenschutzes rechtfertigt“ (S. 77). Gleichwohl bestechen und erschüttern auch seine nicht minder akribischen Analysen von Schuberts Leben und leidensbedingten Niederschläge in seinem Werk. Vorweg: Schubert starb nicht an Syphilis. „Obwohl bei Schubert nie eine Syphilis-Diagnose auftaucht, wurde eine solche schon relativ früh in der Forschung vermutet und immer wieder bestätigt“ (S. 55). Mastnak geht daher dieser Frage eingehend nach und beschreibt zunächst  in eigenen Kapiteln die „historischen und soziokulturellen“ und „klinischen und therapeutischen Aspekte“ und gibt einen Eindruck davon, wie „horrend“ und „teils eine regelrechte Tortur“ (S. 67) ihre Behandlung damals war. Schließlich setzt sich Mastnak im Kapitel „Syphilis: Symptome bei Schubert“ mit der Quellenlage auseinander. Im Kapitel „Die terminale Krankheit“ beschreibt er, dass Schubert an der Krankheit gestorben war, der auch seine Mutter erlegen war. Im Weiteren wird geklärt: „Psychopathologische Einordnungen scheinen bereits von Anfang an zum Scheitern verurteilt zu sein“ (S. 69). Dazu führt Mastnak zahlreiche Belege an. „Inwieweit das Thema Tod hier für Schubert früh prägend wurde, kann nur gemutmaßt werden“ (S. 71). Immerhin ist er davon nicht weniger als die von Trappe vorgestellten Komponisten betroffen. „Von 16 Kindern der Familie erreichen nur vier das Erwachsenenalter.“ (S. 71). Als viel bedeutsamer wertet Mastnak Schuberts „(im Vergleich zu Beethovens Testament) zutiefst religiöser (…) Schrei aus der Lebensnot“ (S. 71). Mastnak beleuchtet damit im Kapitel „Romantische Negativhaltung, Wiener Fatalismus oder reaktive Depression?“ auch den zu Schuberts Zeit herrschenden Zeitgeist und befasst sich im darauf folgenden Kapitel „Naive Idylle, Homosexualität, Bindungsdilemma, Persönlichkeitsstörung – oder einfach Genie?“ mit den vielerlei Deutungen, die ganze Bibliotheken zu Schubert füllen. Immerhin belegt Mastnak abschließend anhand von Quellen die wohl Gültigkeit beanspruchende Sicht zu den beiden, teils im Allgemeinen Krankenhaus Wien entstandenen  Liederzyklen „Die Schöne Müllerin“ und „Winterreise“.

Wahrlich als nicht minder sonderlich, wenngleich ganz anders, erscheinen die Kalamitäten, mit denen Frédéric Chopin zu kämpfen hatte und an denen teils auch schon seine Schwester gestorben war. Bei beiden liegt eine neuro-psychiatrisch relevante Symptomatik als Ursache von Temperallappenepilepsie vor, die aber Chopins zugeschriebenen fragilen Charakter, seine Scheu und Auftrittsängste, seine Halluzinationen, Melancholie und sonstigen Ängste nicht stimmig erklären, sondern laut Mastnak, der anstelle des pathogenetischen Aspekts immer den daraus möglicherweise resultierenden salutogenetischen, kurativen Gewinn, wie er angesichts der in zunehmend alternden Gesellschaften lebenslanger Gesundheit eine  Rolle spielt, herauszustellen versucht, “innerer Motor und Inspirationspool seines Schaffens waren“ (S. 85). Diesen zeigt Mastnak in eigenen Kapiteln zu „kränkliche Konstitution und Lungen Probleme“, „Diarrhoe und gastrointestinale Probleme“, „Bronchopulmunale Probleme und Tuberkulose“, „Zystische Fibrose“, „Alpha-1 Antitrypsin Mangel“, „Depression und Angst“ bis hin zur „Elipsie“ anhand sauberst recherierten medizinischen Befunde., wie sie alle Beiträge dieses Buchs auszeichnen.

Es sprengt den Rahmen, auf die noch folgenden Komponisten einzugehen. Um die Schönheit und jeweils singuläre Einzigartigkeit und Vollkommenheit ihrer Musik zu bestaunen und sich von ihr erfüllen zu lassen, muss man nichts von den bedrückenden Beschwernissen, unter denen diese Komponisten zu leiden hatten, wissen. Und man braucht auch keine Kenntnisse, wie sie mit diesen Schicksalen umgegangen sind. Aber wer sich in sie vertieft, tut das mit unschätzbarem Gewinn im Sinne beider Seiten von Musikpsychologie. Dieses Buch ist somit Lebenskunde und demonstriert in vielfachen Facetten und Varianten, wie große Geister Bedrängnissen standgehalten und in beispielhafter Anstrengung und Disziplin und je nach Temperament mit vorbildlichem Streben nach optimistischer Gelassenheit und Souveränität in die ihnen gegönnte Zeit zu Kompositionen genutzt haben. Dieser trotz und oftmals gerade unter fürchterlichsten körperlichen Schmerzen und seelischen Verwundungen entstandenen Werke werden immer und überall musiziert, neu interpretiert und gehört. Sie sind Heilsam wie allgemein bekannt und tagtäglich erlebt für das Selbst als Einheit von Proto- und Kernselbst und Bewusstsein, Antonio Damasio als das einer der wichtigsten Gehirnforscher, beschreibt als Persönlichkeit, die ihre eigene Musik, eine Symphonie von Erfahrungen, Erlebnisweisen und kognitive Attribuierung repräsentiert. Den beiden Autoren Hans-Joachim Trappe und Wolfang Mastnak kommt das nicht hoch genug zu veranschlagende Verdient zu, ein längst dringend benötigtes Buch von bleibendem Wert vorgelegt zu haben, das jedem, der sich Musik zuwendet, die Augen öffnet und zu Sichtweisen anregt, die nicht nur die Musik im Sinne der Komponisten und ihrer jeweiligen Interpreten vergleichen und nachempfinden lassen, sondern auch vielerlei Impulse für die eigene Gestaltung von Überliefertem, für die Verwendung in allen Lebenslagen und vor allem natürlich für eine adressatenorientierte Psychotherapie geben.


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Ein singulärer Musiktherapeut: Wolfgang Mastnak

Wolfgang Mastnak

„Chinesische Musiktherapie gewinnt international an Bedeutung. Exklusiv.
Wolfgang Mastnak ist Professor für Musiktherapie und forscht im Bereich der Musiktherapie in der Psychiatrie und Kardiologie sowie in der Neuropsychologie.“
http://german.china.org.cn/interview/2015-08/31/content_36463577.htm

 

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Grimauld

Helene Grimaud im SPIEGEL v. 20.12.2014

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Musik und Emotionen – Strebetendenz-Theorie

Alles, was in der Sendung des SWR2 vom 12.11.2014 zur Wirkung bestimmter Akkorde und Harmonien und zu ausgewählten Musikbeispielen zur Sprache kommt, bezieht sich auf die Publikation „Musik und Emotionen – Studien zur Strebetendenz-Theorie“ von Daniela und Bernd Willimek mit ihrer Erklärung für die emotionalen Wirkung musikalischer Harmonien.

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Seminare im Herbst 2014

Intensivkompaktwochen

Wochenendseminare

Themen und Fragen zur Vor- und Nachbearbeitung

Anmeldung und Lageplan

 

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Wolfgang Joop malte seine Mutter im Sterbeprozess

Musiktherapeuten wird immer wieder empfohlen, über den Zaun zu schauen und zu beobachten, wie mit anderen künstlerischen Medien umgegangen wird. Das ist ja auch das Anliegen der Zeitschrift für Künstlerische Therapien. Hier ein Bericht aus der Berliner Morgenpost von heute:

Wolfgang Joop hat seine Mutter in der Phase ihres Sterbens gezeichnet. Entstanden seien damals „drei Zeichnungen in ungefähr drei Tagen oder Nächten“, sagte der Designer der „Süddeutschen Zeitung“. Er besitze die Arbeiten zwar noch, habe sie aber nie wieder angeschaut. „Nur durch die Übersetzung der Wahrheit auf meinen Zeichenblock konnte ich die stumme Nähe und den Abschied zugleich ertragen.“

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Tonfolgen: Taugt Musik als Medizin?

http://www.profil.at/articles/1427/984/376519/tonfolgen-taugt-musik-medizin

Zweifellos ist die Durchführung des Weltkongresses in Krems eine großartige Leistung. Doch verwundert den Kenner die Behauptung, „wir“ wüssten nicht, wie Musik wirkt.  Dieser Artikel zeigt allerdings ein auf elementarste Grundbedingungen reduziertes Verständnis von Musik als Medizin für hauptsächlich nicht ansprechbare Patienten, das nichts zu tun hat mit Musiktherapie als Psychotherapie. Künstlerische Musiktherapie, die den professionellen Musiker voraussetzt und sich in den Patienten einfühlt, belässt es nicht bei der pulsregulierenden Beschallung (Schalltherapie), sondern versteht Musik als geistfähiges Material. Damit eröffnet sie den mündigen Patienten die Überwindung psychischer Störungen und das Erreichen von Sicherheit durch selbstätige kognitiv-erlebnisphilosophische Strukturierung der betreffenden Selbst- und Objektdimensionen. Für das sich als Musik repräsentierende Selbst ist Bachs Orchestersuite Nr. 3 keineswegs austauchbar mit Heavy Metal. Medizinisch macht es keinen Unterschied, womit etwa die Ernährung erreicht wird, für jemanden mit Kultur dagegen sehr wohl. Für ihn gilt: „Der Ton macht die Musik“ – gemäß Gustav Mahler: „Das Beste in der Musik steht nicht in den Noten.“ (siehe dazu den gleichnamigen Vortrag zur „Ton-Psychologie“ auf dem Weltkongress für Musiktherapie in Krems 7.-12.7.2014).

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GABRIELLE – (K)EINE GANZ NORMALE LIEBE

Ab 1. Mai 2014 im Kino! Gabrielle ist Anfang zwanzig und besitzt nicht nur eine ansteckende Lebensfreude,
sondern auch eine außergewöhnliche Begabung für Musik. Martin lernt sie in ihrer
Therapiegruppe kennen, wo sie gemeinsam in einem Chor singen. Die beiden verlieben
sich leidenschaftlich ineinander. Aber ihre Umgebung erlaubt ihnen diese Liebe
nicht, denn die beiden sind nicht wie die Anderen: Gabrielle hat das Williams-
Beuren-Syndrom. Die Liebe behinderter Menschen sollte längst kein Tabu mehr sein –
trotzdem muss sich das junge Paar entschlossen den Vorurteilen stellen, um eine
nicht ganz alltägliche Liebesgeschichte zu erleben. Programmheft GABRIELLE mit Beschreibung des Williams-Beuren-Syndroms.

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Palliative Musiktherapie

Trost spenden, Schmerzen lindern, Angst nehmen – das sind die Erwartungen an die Betreuung unheilbar erkrankter Menschen. Die palliative Versorgung versucht daher, Menschen in ihrer letzten Lebensphase zu unterstützen und ihre Lebensbedingungen zu verbessern. Inwieweit dabei Musik als Therapie die Lebensqualität steigern kann, haben jetzt Wissenschaftler im Auftrag des DIMDI untersucht. Sie fanden dafür jedoch nur schwache Hinweise, da bisher zu wenig verwertbare Studien vorliegen.

Forscher halten nichts von Musiktherapie am Sterbebett

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Und wieder ein Fall übelster Justiz und Psychiatrie

Mollath: Sachverhalt und Kommentare –Wie befangen ist Mollath-Richter Brixner?

Glaubt man einem hohen Richter, ist die Zahl falscher Schuldsprüche riesig.

88000 im Gefängnis, 145000 zwangseingewiesen in die Psychiatrie, oftmals lebenslänglich und aus bloßer Faulheit skrupelloser Richter und Psychiater:

„Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen, was das bedeutet. 88000 Gefaengnisinsassen gibt es in der BRD, das ist 1% der Bevoelkerung, und das ist vergleichbar z.B. mit Griechenland. Aber 145000 Zwangseingewiesene ? Das ist schockierend. Diese Leute haben eine ungewisse Zukunft vor sich. Sie sind der Willkuer der umgebenden Personen ausgesetzt. Natuerlich bestimmt das Gericht die Freiulassung, aber was heisst das genau ? Das Gericht bestimmt aufgrund der Aussagen von begutachtenden Aerzten, diese fragen wiederum auch die beteiligten Pfleger usw. Willkuermoeglichkeiten wohin man blickt. Das ist grauenhaft. Im Gefaengnis weiss man wenigstens, nach x Jahren kommt man frei. (auch aufgeweicht durch die SIcherungsverwahrung). Was ist nur aus der BRD geworden ? Einfach grauenhaft.“

siehe auch: „Schreib um dein Leben“ und „Skrupellose Richter und Psychiater

Kann man solch ein Arbeitsfeld wirklich Musiktherapeuten empfehlen? Oder gerade deswegen? Oder ist es ein Tummelfeld für Hochstapler?
siehe SPIEGEL 4 v. 17.1.2015 „Unter Hochstaplern“: Postel_Spiegel-17.1.15

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Esoterik, Wunderglaube, Geistheilung und Meditation

Was nach Martin Stroh, dem Oldenburger Professor für Musikwissenschaft und Absolvent der Musikwissenschaft in Freiburg, um 1994 das Selbstverständnis der Musiktherapeuten ausmachte, ist wohl inzwischen in weiten Teilen der Bevölkerung verbreitet: http://www.welt.de/gesundheit/psychologie/article116242902/Jeder-zweite-Westdeutsche-glaubt-an-Wunder.html

Die Titelgeschichte zur Meditation im SPIEGEL 21 „Heilen mit dem Geist“ (S. 56 – 63) hat der renommierte Medizin-Journalist J. Blech verfasst. Sie zeigt viele Parallelen zur Musiktherapie, die die Forschung nicht in gleichem Maß für wert hält, erforscht zu werden, zumal unter Musiktherapie alles Mögliche verstanden wird und der Erfolg großenteils von den Musiktherapeuten abhängt, die sehr unterschiedliche Voraussetzungen mitbringen.

Der SPIEGEL 21 enthält auch zwei Beispiele für die Wirksamkeit der kognitiven Strukturierung. Zum einen sei auf den zutiefst erschreckenden Bericht (S. 96 – 99) über die in den USA tagtäglich verübten Verbrechen am Beispiel eines 18 Jahre lang unschuldig in der Todeszelle einsitzenden damals 20-Jährigen und sein nicht hoch genug zu bewunderndes Selbsterhaltungstraining hingewiesen, das lediglich durch einen Zufall und durch das zähe Ringen einer mutigen Frau schließlich zur Freiheit führte, aber als posttraumatische Störung noch heftig nachwirkt.

Ein weiterer Bericht betrifft die Wirkung von geistigen (kognitiven) Kräften bei Epileptikern (S. 111).

Meditation: Wege zur effektiven Entspannung

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12. März 2013: Deutschlandradio interviewt Prof. Dr. Yolanda Bertolaso

Tanzpsychologin Bertolaso über den Harlem Shake als Massenphänomen

Yolanda Bertolaso im Gespräch mit Christopher Ricke

Sendezeit: 12.03.2013 08:45: Deutschlandradio interviewt Prof. Dr. Yolanda Bertolaso: „Das sind Leute, die haben Spaß bei dem, was sie machen.“

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für diesen Beitrag Interview mit Yolanda Bertolaso MP3 |Flash
http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2013/03/12/drk_20130312_0845_48748402.mp3

Frankfurter Rundschau 8. März 2013: Harlem Shake: Wenn der Zappelalarm ausbricht

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www.songformarion.de ab 14. März 2013 im Kino

Empfehlung! www.songformarion.de

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Skrupellose Richter und Psychiater

Zweifellos gibt es viele ernsthafte, um das Wohl ihrer Patienten besorgte und engagierte Psychiater, die nur dann (zumindest bei längerem Gebrauch) gefährliche Pillen verschreiben, wenn Psychotherapie oder anderes noch nicht hilft. Diese Gruppe ist jedoch vergleichsweise klein und ohne Einfluss. Man darf mit ihr fühlen, wenn man liest, worüber hier berichtet wird:

  1. Unbedingt lesenswert: Jörg Blech, einer der bedeutendsten und mutigsten Entlarver der Erfinder von Krankheiten, zeigt im SPIEGEL 4 von 21.1.2013, S. 110 – 119 („Inflation der Seelenleiden – Wie Psychiater neue Geisteskrankheiten erfinden“), wie eine kleine Gruppe ruhm- und profitsüchtiger Psychiater die Mehrheit der Bevölkerung für geisteskrank erklärt und damit für noch größere Belastung der Krankenkassen sorgt: Autoren von DSM-5 als Mietmäuler der Pharmakonzerne, deren Produkte erst krankmachen.
  2. Der am selben Tag um 20.45 Uhr ausgestrahlte Film „Die Story im Ersten: Lebenslang in Haft“ zeigt die erschütternde Selbstherrlichkeit und Arroganz von Recht-Habern und Staatsanwälten und die skrupellose Mitwirkung der Psychiatrie. STRAFJUSTIZ: Ohne moralische Skrupel und Justizirrtümer: Wenig Geld für viel UnrechtWenn der Staat zum Täter wird – Bemerkungen zur ARD-Reportage: „Unschuldig in Haft“ Kommentar eines Lesers vom 22.1.2013: „Im Gespräch mit dem Leiter der MRV-Anstalt in Hadamar lag mir z.B. exakt dieselbe Frage auf der Zunge: Wozu brauche ich die Psychowissenschaften denn überhaupt, wenn sie auch nach jahrelanger Zusammenarbeit („Therapie“) mit einem Untergebrachten nicht in der Lage sind zu erkennen, ob der zu Behandelnde die Wahrheit sagt oder nicht?!“

siehe auch

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„Oma ist der bessere Psycho-Doktor“

http://www.fr-online.de/wissenschaft/psychotherapie–oma-ist-der-bessere-psycho-doktor,1472788,17344084,view,printVersion.html

Zu ergänzen wäre der Hinweis auf Musik und Tanz.

 

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Altorientalische Musiktherapie des Sufimeisters Dr. Güvenc

Altorientalische Musiktherapie: 1994 war der Sufimeister Dr. Güvenc mit den im Video zu sehenden Personen meiner Einladung nach Münster gefolgt; es war ein großartiges Erlebnis.

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ADHS mit Musik – ein interessanter Bericht

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/hyperaktivitaet-diese-krankheit-ist-eine-rebellion-der-kinder-11706813.html

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Zur Musikwirkung – Scobel-Sendung vom 5.7.2012

http://www.3sat.de/mediathek/?display=1&mode=play&obj=31561

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Folgen eines Zeitungsberichts

http://www.kanzleikompa.de/2012/05/29/verpixelter-augenbalken/

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Hinweis auf den neuen Film „IM GARTEN DER KLÄNGE“

Ab dem 31. Mai 2012 startet der besondere Dokumentarfilm IM GARTEN DER KLÄNGE deutschlandweit im Kino.
Dabei handelt es sich um einen Film über den blinden Musiktherapeuten WOLGANG FASSER. Nicola Bellucci hat über einen Zeitraum von zwei Jahren beobachtet, wie Fasser einen Dialog mit seinen Schützlingen aufbaut. IM GARTEN DER KLÄNGE ist eine poetische Entdeckungsreise in die Grenzgebiete der Kommunikation, ein leiser und berührender Film über die Welt der Töne, Klänge und Geräusche. Einen Trailer des Films können Sie hier sehen: http://www.garten.wfilm.de/garten_der_klaenge/Trailer.html. Alle Kinos und Aufführungstermine finden Sie hier: kinotermine.garten.wfilm.de

Der erblindete Physiotherapeut arbeitet in der Toscana musiktherapeutisch mit behinderten Kindern. Er nennt sich Klangforscher und beruft sich gern auf John Cage, bedenkt jedoch nicht, dass bereits Sigmund Freud wie auch Milton Erickson u.v.a.m das genaue Beobachten als entscheidend für den Erfolg in der Psychotherapie erkannten. Das Wort „Wissen“ stammt schließlich aus dem lat. „videre = sehen“. „Ich habe bemerkt, daß Musik für mich dann am lebendigsten ist, wenn mich das Zuhören zum Beispiel vom Sehen nicht ablenkt“ (Cage in „Silence“ 2011, S. 71).

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Film „The music never stopped“

Drs. Schott weisen auf den  Film „The music never stopped“ hin. Nach langjähriger Amnesie mit teilweiser Auflösung des Erinnerungsverlustes zeigten sich durch Musiktherapie mit gleichzeitiger familientherapeutischer Intervention frappierende Effekte. Es handelt sich um die filmische Darstellung einer (von dem durch sein Musikbuch und seine z. T. verfilmten Patientengeschichten bekannten New Yorker Neurobiologen und Pianisten Dr. Oliver Sacks dokumentierten) tatsächlichen Geschichte – ein sehr bewegender Film, der  sicherlich insbesondere auch Musiktherapeuten und an Musiktherapie Interessierte anspricht.

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Chorisches Singen und solistische Improvisation ohne Noten unter Gesichtspunkten des psychophysischen Musikverstehens und der therapeutischen Wirkung. Die wichtigsten Inhalte des Singleiterscheins

Aufgrund der Verkürzung des Weiterbildungsstudium Musiktherapie kam in letzter Zeit das therapeutische Singen zu kurz. In den Musiktherapiestudiengängen wird das Singen größtenteils schon gar nicht angeboten. Es gibt schließlich kaum einen Musiktherapiedozenten, der in seinem Studium das Fach Singen hatte. Für Schul- und Kirchenmusiker dagegen ist der Gesangs- und Chorleiterunterricht obligatorisch. Und selbstverständlich ist die Teilnahme am Hochschulchor ebenfalls verpflichtend. An vielen Musikhochschulen ist der Einzelunterricht in Gesang sogar zweimal in der Woche vorgeschrieben – so jedenfalls zu meiner Studienzeit in Freiburg.

Aufgrund des verheerenden Einflusses von Th. W. Adorno kam das Singen in den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts in Verruf und wurde in den nördlichen Bundesländern vollkommen abgeschafft, während es in Süddeutschland zwar erhalten blieb, aber leider ebenfalls in Misskredit geraten und erheblich eingeschränkt worden war.

Ungebrochen und trotz der musiksoziologischen Kampagne gegen das Singen sogar noch verstärkt entwickelten sich in ganz Deutschland die zahlreichen Chorgemeinschaften. Laut dem vom Deutschem Musikrat herausgegebenen Musikalmanach sind mehr als „3,3 Millionen Menschen in 61.000 Chören aktiv“ (Wikipedia).

Die insbesondere in der Musiktherapie grassierende Vernachlässigung des Singens zugunsten der seit den 70er Jahren aufgekommenen musikalischen Improvisation auf einfachen Instrumenten haben nun einige Leute ausgenutzt und vermarkten die sog. Singleitung für jedermann. Wie die von ihnen herausgegebene CD zeigt, singen sie ungeniert bar jeglichen Anspruchs an ein Niveau, wie es bereits in jedem Dorfchor besser angestrebt wird. Ihre Adressaten sind irgendwelche Leute, die offensichtlich weder vom Singen noch von Musiktherapie viel verstehen und sich von der Euphorie, wie sie in den Sensivitytrainings und Encountergruppen, die sich längst überlebt haben, gang und gäbe waren. Während die Jugendbewegung um 1900 und die Volksliedbewegung der rührigen Volksschullehrer um Fritz Jöde bis vor dem 2. Weltkrieg noch auf ein ästhetisch ansprechendes und gleichwohl gefühlstiefes ausdrucksvolles Singen im „Volkston“ (Herder) Wert legten, ist dieses nun propagierte Singen eher ein greuliches Geplärre von durchaus wohlmeinden, aber wohl vorwiegend eher narzisstischen Dilettanten. Gleichwohl haben sie Erfolg. Daher ist es geboten, in die Musiktherapieausbildung die zertifizierte Singleitung zu integrieren und die mit dem Singen verbundenen physischen, psychischen und sozialkommunikativen Effekte systematisch zu benennen und Methoden der Vermittlung und Beeinflussung zu zeigen, um einerseits selbst jenes mit dem Singen verbundene tiefe Gemeinschaftsgefühl und Sichselbstvergessen zu erleben und anleiten zu können, aber um auch zu verstehen, warum Adorno, Warner, Abraham u.v.a.m. das Singen so vehement verteufelt haben, was die Folge des Missbrauchs in der Nazizeit war und nur in Deutschland ein Problem geworden war.

Wie groß das Bedürfnis nach Singen in der Bevölkerung ist, zeigt das aus Schulen und Freizeiteinrichtungen mit Kindern und Jugendlichen seit langem bekannte Rudelsingen (siehe auch den Bericht in den WN vom 26.5.2012). Termine. WN26.5.12Rudelsingen

Das Programm zum 20.-22.4.2012: musiktherapie.de.tc

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Zahnarztmusik

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/beruhigungsmittel-zahnarztmusik-11689066.html

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Musiktherapiestelle zum 1.4.2012

Diese Ausschreibung, die ich wie immer als einer der ersten erhalten habe, zeigt die ideale Aufteilung der Arbeitszeit. Auf diese Weise können Musiktherapeuten einen Teil ihrer Arbeitszeit auch als Musikpädagoge freiberuflich tätig sein und die Patienten, die in der Klinik meist möglichst bald entlassen werden, weiterhin betreuen.

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